Schimmel-Deinfektion?
Warum das eigentliche Problem dadurch nicht gelöst wird
Werden Schimmelschäden sichtbar, wird häufig vorgeschlagen, die betroffenen Bereiche mit Schimmelentfernern oder Desinfektionsmitteln zu behandeln.
Diese Vorgehensweise erscheint zunächst naheliegend, entspricht jedoch in vielen Fällen nicht dem aktuellen Stand der Schimmelsanierung.
Der aktuelle Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes weist ausdrücklich darauf hin, dass Biozidanwendungen bei Schimmelsanierungen häufig nicht erforderlich sind und in der Praxis oftmals übermäßig eingesetzt werden. Ziel einer fachgerechten Sanierung ist nicht das Abtöten der Schimmelpilze, sondern die Beseitigung der Feuchteursache und die Entfernung der entstandenen mikrobiellen Biomasse.
Auch ein toter Schimmelpilz bleibt ein Schimmelpilz
Der Hintergrund ist einfach: Für den menschlichen Organismus ist häufig nicht entscheidend, ob Schimmelpilzbestandteile auf einer Wand noch lebensfähig sind oder bereits abgetötet wurden. Allergene, Zellwandbestandteile, Sporen und andere biologische Bestandteile können weiterhin vorhanden sein und in die Raumluft gelangen.
Das eigentliche Ziel einer Schimmelsanierung besteht deshalb darin, diese Belastung zu entfernen und nicht lediglich die Vermehrungsfähigkeit der Mikroorganismen zu unterbinden.
Schimmel muss entfernt werden – nicht nur abgetötet
Wird ein Desinfektionsmittel auf einen Schimmelschaden aufgebracht, kann dies die Lebensfähigkeit der Mikroorganismen reduzieren. Die vorhandene Biomasse bleibt jedoch häufig weiterhin auf dem Material.
Dadurch entsteht leicht der Eindruck, das Problem sei gelöst. Tatsächlich wurde jedoch oft nur ein Teilaspekt behandelt.
Hinzu kommt, dass viele Produkte auf Chlor- oder Wasserstoffperoxidbasis die Oberfläche gleichzeitig bleichen. Die dunklen Verfärbungen werden dadurch heller oder verschwinden scheinbar vollständig.
Der Schimmel wird dadurch jedoch nicht zwangsläufig entfernt. Häufig werden lediglich die Farbpigmente zerstört. Aus fachlicher Sicht handelt es sich daher oftmals eher um eine optische Verbesserung als um eine Sanierungsmaßnahme.
Das eigentliche Risiko entsteht häufig bei der Entfernung
Bei der Bearbeitung eines Schimmelschadens können große Mengen von Sporen und Partikeln freigesetzt werden. Diese sind mit bloßem Auge nicht sichtbar.
Wären Schimmelsporen rosa Glitzer, würde sofort deutlich werden, wie weit sie sich im Raum verteilen können. Tatsächlich bleiben sie jedoch unsichtbar und können sich auf Oberflächen und Einrichtungsgegenständen ablagern.
Deshalb sind geeignete Schutzmaßnahmen bei der Sanierung häufig wichtiger als die Frage, welches Desinfektionsmittel verwendet wird.
Sinnvolle Sofortmaßnahme
Ist eine sofortige Sanierung nicht möglich, kann es sinnvoll sein, den betroffenen Bereich zunächst von der Raumluft abzutrennen.
In vielen Fällen genügt hierfür bereits eine luftdicht abgeklebte Folie vor dem betroffenen Wandbereich. Dadurch kann die Freisetzung von Sporen und Partikeln reduziert werden, bis eine fachgerechte Sanierung erfolgt.
Diese Maßnahme ersetzt keine Sanierung, ist jedoch häufig sinnvoller als der alleinige Einsatz von Desinfektionsmitteln.
Auch Biozide sind nicht risikofrei
Bei der Anwendung von Schimmelentfernern wird häufig übersehen, dass auch die eingesetzten Produkte selbst gesundheitliche Risiken mit sich bringen können. Insbesondere chlorhaltige Produkte können reizende Dämpfe freisetzen und sollten daher nur sachgerecht verwendet werden.
Die entscheidende Frage bei einem Schimmelschaden lautet nicht:
„Wie töte ich den Schimmel ab?“
Sondern:
„Wie verhindere ich die weitere Ausbreitung und wie entferne ich die vorhandene Biomasse fachgerecht?“
Eine nachhaltige Schimmelsanierung umfasst die Beseitigung der Feuchteursache, die Entfernung befallener Materialien sowie geeignete Schutzmaßnahmen während der Arbeiten. Das Abtöten von Schimmelpilzen allein stellt in den meisten Fällen keine fachgerechte Sanierung dar.
Weiterführende Literatur
Umweltbundesamt (2024): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden